Situationsanalyse

Kindheit heute

Kinder leben heute in vielfältigen Familienstrukturen. Die Kleinfamilie, Patchworkfamilie oder Einelternteilfamilien sind wohl heute die häufigsten Lebensformen der Kinder.

Die Familien sind oft belastet durch Arbeitslosigkeit. Ebenso sind multikulturelle Familien auch Lebenswirklichkeit. Die Berufstätigkeit, die geforderte Mobilität, die Abwesenheit und Nichtverfügbarkeit von Großeltern erfordern eine gute Betreuung in Institutionen wie Kindertagesstätte, Krippe und Schule. Auch die Wohnsituation ist oft sehr bewegungseinschränkend und gerade in der Innenstadt auch durch den Straßenverkehr gefährlich.

Früher fanden die Kinder Freunde auf der Straße und sie konnten dort spielen. Heute müssen Freundschaften organisiert werden. Es gibt einen erheblichen Verlust an Bewegungsfreiheit. Der Einfluss der Medien, vorgefertigtes Spielzeug, die ständige Reizüberflutung, auch ein Übermaß an Animation und Freizeitangeboten überfordern unsere Kinder. Sie müssen ständig wählen und entscheiden.

 

Kindliches Lernen

Neueste Erkenntnisse der Hirnforschung bzgl. des kindlichen Lernens haben gezeigt, dass es bestimmter Voraussetzungen bedarf für nachhaltiges und lebenslanges Lernen (siehe M. Spitzer). Kernsatz dieser Forschung ist: „Jedes Kind bildet sich selbst von Anfang an.“

  • Alles was Kinder tun, hat einen Sinn.
  • Ihre gesammelten Erfahrungen und Kompetenzen sind Grundlage für ihr Selbstwertgefühl und dienen als Motivation. Durch diesen Prozess der Wahrnehmung und durch das Verknüpfen von Vertrautem mit neuen Erfahrungen bildet sich das Kind selbst und wird so zum „kompetenten Kind“.
  • Ein gesteigertes Glücksgefühl stellt sich bei selbstvergessenem, tiefem und versunkenem Spiel ein. Wissenschaftler bezeichnen diesen Geisteszustand als „Flow“ (Fließen).
  • Kinder haben Fragen an die Welt und suchen nach Lösungen (problemorientiertes Lernen).
  • Sie brauchen die Chance, selbst Lösungsansätze zu finden und verschiedene Herangehensweisen zu probieren.

Diese überprüft der Erwachsene mit den Kindern, optimiert die Antworten, wertet aber keine Ideen ab. Immer mit dem Gedanken: Falsche Wege sind auch Wege.

Dabei bedarf es allerdings bestimmter Voraussetzungen:

  • Die Grundbedürfnisse des Kindes nach körperlicher, seelischer und geistiger Zuwendung müssen erfüllt sein.
  • Stabile, positive Bindungen und Emotionen sowie eine gute Atmosphäre ermöglichen angstfreies und kreatives Lernen.
  • Lernen muss Spaß machen und aus der eigenen Lebenswirklichkeit entstehen.
  • Lerngelegenheiten, Anreiz und genügend Zeit bieten den Kindern die Möglichkeit, ihre natürliche Neugierde auszuleben. Die Rolle der Erzieherin besteht darin, den Kindern vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten zu bieten

Der Erwachsene ist immer Vorbild für die Kinder. Er fördert individuell, setzt an den Stärken der Kinder an und bietet verschiedene Möglichkeiten zum Einüben des erworbenen Wissens.

 

Wertschätzung des Kindes und seiner Familie

Jedes Kind ist eine Persönlichkeit, der wir mit Respekt und Achtung begegnen. Wir sehen in ihm ein Kind Gottes. Jedes Kind ist eine Bereicherung für die Gemeinschaft unserer Kindertagesstätte.

Alle Kinder brauchen vielfältige Möglichkeiten, um sich weiter zu entwickeln. Dabei hat jedes Kind seinen eigenen Rhythmus. Kinder haben eine eigene Meinung, Wünsche und Bedürfnisse. Lebensfreude und Bewegungslust sind ursprüngliche kindliche Eigenschaften. Genauso wie Neugierde, Spiellust, Wissensdurst und Experimentierfreude. All dies wollen wir möglichst individuell erhalten, fördern und unterstützen.

In unserer Kindergartengemeinschaft haben sie die Möglichkeit sich mit gleichaltrigen Kindern und mit Erwachsenen einzubringen, sich zu erproben und ihr „Ich“ kennenzulernen. So erfahren sie mehr über sich und lernen auch Grenzen anderer kennen. Sie kommen über das eigene ICH zum DU und WIR.

Kinder brauchen dabei sichere Bindungen, Beziehungen und Vorbilder. Mit unserem Zutrauen und manchmal auch Zumuten unterstützen wir die Kinder in ihrem Streben nach Autonomie und Selbständigkeit.

Wir nehmen die Kinder als Jungen und Mädchen wahr. Sie sollen und können sich in der Kindertagesstätte mit ihrer Geschlechterrolle auseinandersetzen.