Eingewöhnungsphase

 

Die heutige Gesellschaft zeichnet sich durch Vielfalt in vielen verschiedenen Lebensbereichen aus. Schon uns Erwachsenen fällt es dadurch häufig schwer, uns zu orientieren.

Wie viel schwerer muss es da Kindern fallen, die sich die Welt mit allem, was dazu gehört gerade erst erobern? Von der schützenden, vertrauten Familie hinaus in das noch unbekannte Umfeld der Kindertagesstätte.

Zu ihrer Familie – ganz besonders zu den Eltern als feste Bezugspersonen – haben die Kinder eine enge Bindung aufgebaut. Bindung heißt „füreinander dasein, wenn man einander braucht“ und darf nicht als Gegensatz zu Autonomie und Selbstständigkeit verstanden werden. Neben einem sicheren Hafen, den man bei Unsicherheit anlaufen kann, bedeutet Bindung auch die Unterstützung von Autonomie und Erkundung im Rahmen einer sicherheitsspendenden Beziehung.

Neben dem Bedürfnis nach Bindung haben Kinder von Anfang an auch das Bedürfnis, die Welt um sich herum zu erkunden. Sie wenden sich neugierig der Welt zu, wenn sie gesund und ihre Bindungsbedürfnisse befriedigt sind. Das Ziel besteht in einer angemessenen Ausbalancierung dieser beiden wichtigen Bedürfnis-Systeme.

Mit dem Beginn der Kindergartenzeit treten neue Personen in das Leben eines Kindes, zu denen das Kind nach und nach eine Bindung aufbaut.

Unsere Erfahrung zeigt uns immer wieder, dass gerade in der Eingewöhnungszeit bei der Loslösung von den vertrauten Bezugspersonen, konstante Erzieherinnen diesen Übergang für das Kind erleichtern.

Für ideal erachten wir daher eine feste Gruppe für die Kinder unserer Einrichtung.

Auch eine gute, unterstützende Mitarbeit seitens der Eltern spielt gerade in der Eingewöhnungsphase eine entscheidende Rolle. Um Vertrauen entstehen zu lassen, sind verlässliche Absprachen unumgänglich. Die konkrete Eingewöhnung in die Kindergartengruppe geschieht schrittweise und individuell. Eine behutsame, vorsichtige Eingewöhnung ist uns wichtig.

Der erste Kontakt mit den Eltern der kommenden Kindergartenkinder findet beim Aufnahmegespräch statt. Die jeweilige Gruppenerzieherin bespricht mit den Eltern die Formalitäten und erläutert die Eingewöhnungsphase. Vielleicht gibt es auch sogenannte „Familienwörter“, die wir kennen sollten (innerhalb der Familie gebräuchliche Bezeichnungen für manche Dinge)?

In der Regel begleitet die Mutter in der Eingewöhnungszeit, es ist aber auch möglich und üblich, dass dies von Vätern, Omas, Opas, Tagesmüttern oder größeren Geschwistern übernommen wird. Es gilt die Regel: Es sollte die Person eingewöhnen, die sich mit der Loslösung am leichtesten tut und die bereits eine verlässliche Beziehung zum Kind hat.

Bei der Eingewöhnung sind die Rollen der Mutter und der Erzieherin klar definiert. Während sich die Mutter in der Kindertagesstätte dezent im Hintergrund hält – also „nur“ Beobachterin ist – nimmt die Erzieherin Kontakt mit dem Kind auf, indem sie sich z.B. als Spielpartner anbietet.

Die Eingewöhnungszeit ist ein Prozess, der bei jedem Kind eine unterschiedliche Dauer hat. Erst wenn das Kind nach einigen Tagen deutliche Signale sendet (z.B. fragt oder schaut nicht mehr so oft nach der Mutter, lässt sich leicht in das Spiel mit anderen Kindern einbinden…), findet der erste Trennungsversuch nach einem klaren Abschied für ca. 15 – 30 Minuten statt.

Jedes Kind bestimmt den Eingewöhnungsprozess durch seine Persönlichkeit und das aktuelle Befinden und Bedürfnis mit. Wir lassen natürlich auch Übergangsobjekte wie Kuscheltier, Schmusedecke oder Schnuller zu.

Wichtig für jedes Kind ist es, dass die Eltern die vereinbarte Abholzeit einhalten. Dadurch spüren die Kinder, dass sie sich auf uns Erwachsene verlassen können.

Uns ist bewußt, dass auch bei noch so einfühlsamer Eingewöhnung der Trennungsschmerz nicht vermieden werden kann. Dies gestehen wir allen Kindern zu und gehen angemessen und sorgfältig damit um.

Sind die Kinder mit ihrer eigenen Gruppe vertraut, d.h. mit den Kindern und Erzieherinnen, Spielmöglichkeiten und Gruppenregeln, eröffnet sich ihnen die Möglichkeit, weitere Räumlichkeiten der Kindertagesstätte und das gut einsehbare Außengelände zu erobern. Hier lernen sie Eigenverantwortung und selbstständiges Spielen.

Voraussetzung dafür ist, dass zwischen Erzieherinnen und Kindern eine Vertrauensbasis wachsen konnte und wir die einzelnen Kinder einschätzen können bzgl. des Umgangs untereinander und der Einhaltung von festgelegten Regeln.