Bibelteilen in St. Josef, Alsenborn

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Josef, Alsenborn: In der Unterkirche sitzt eine kleine Gruppe interessierter Männer und Frauen um einen festlich geschmückten Tisch. Vier Jahre Bibelteilen in Alsenborn, das muss gefeiert werden. „Am Anfang war das Wort“, unterbricht Kursleiter Wilhelm Sprengart das muntere Geplauder und eröffnet damit die Veranstaltung. „Ich freue mich besonders, dass wir heute die Muttersprache Jesu, das Aramäische, ein wenig näher kennenlernen…“

Bibel teilen, was ist das?

Zerteilt da jemand die Bibel, oder verteilt einer gar Bibeln?

Teilt einer etwas mit, oder teilt einer etwas mit anderen?

Schwerpunkt des Bibelteilens ist die Frage: „Wie nähert man sich einem Stück Literatur, das 2000 Jahre und älter ist?“ Zur Beantwortung müssen die Teilnehme keine theologischen Experten oder Fachleute für Exegese sein. „Nein, zum besseren Verständnis haben sie - sich selbst“, sagt der Kursleiter. Die Teilnehmer nutzten den ganzen Menschen mit all seiner individuellen Erfahrung, seinen eigenen Ressourcen, seinem intuitiven Verständnis. Das kann durch die besondere Glaubenserfahrung etwas sehr Persönliches, ja Intimes sein, und es gehört Mut dazu und Vertrauen, diese Dinge andern mitzuteilen. Gelingt das, entsteht Gemeinschaft und daraus ein komplexeres Gesamtbild des Textes. „Viele Augen sehen besser als eines, das erst ergibt Tiefenschärfe.“, sagt Wilhelm Sprengart.

Neues Konzept – Woher die Idee?

Die Idee entstand nach einer Predigt von Pfarrer Andreas Kellers zu diesem Thema. Mit dessen Unterstützung gründete Wilhelm Sprengart die Gruppe in der Gemeinde St. Josef in Alsenborn. Erfahrene Mitglieder des örtlichen Gemeindeausschuss förderten das neue Projekt aktiv und ermöglichten somit die schnelle Umsetzung. Im April 2014 fand das erste Treffen statt.

 

Didaktisches Voraussetzungen Bibelteilen_Foto02.png

Der Kurs fand rasch Anklang, insbesondere bei den Mitgliedern der beiden örtlichen Gemeinden, St.Josef, Alsenborn, und St. Norbert Enkenbach. Es entwickelte sich eine Kerngruppe von etwa 12 Teilnehmern.

Allerdings wurde auch bald klar, dass die Gruppe erst lernen musste, sich zu öffnen und zu beteiligen. Viele Katholiken sind es gewohnt, eher rezeptiv mit der Bibel umzugehen und die Deutungshoheit den Experten zu überlassen. Deshalb wurde gemeinsam ein didaktisches Konzept erarbeitet, das neben theologischen auch psychologische Aspekte berücksichtigte. So wurden gezielt vertrauensbildende Maßnahmen aus der Gruppendynamik genutzt, damit die Teilnehmer ihre individuellen Ressourcen einbringen konnten. Dazu gehörten Methoden wie das Spiegeln bzw. das aktive Zuhören, aber auch der Umgang mit Feedback.

Die Gruppe zeigte neben ihrem Bedürfnis nach meditativen Übungen und kontemplativen Gebetsformen ein großes Interesse an spirituellen Themen und Hintergrundinformationen rund um die Bibel. Dem trug der Kursleiter Rechnung, indem er für jede Sitzung ein ansprechendes Skript zusammenstellte mit Literaturanregungen und verwandten Texten. Dadurch entstand allmählich eine gemeinsame Gesprächsbasis.

 

Gruppenbildung und GemeinschaftBibelteilen_Foto03.png

Um die Gemeinschaft zu stärken fanden auch Treffen außerhalb der monatlichen Sitzungen statt. Bei häuslichen Treffen mit Kaffee, und Kuchen, anregenden Diskussionen über Gott und die Welt, Speyer und St. Josef zeigten sich noch allerhand Ideen, diesen Weg zur Entwicklung der Spiritualität und zur Stärkung des Glaubens in der Gemeinde vor Ort weiter zu gehen. Seit April 2014 findet mindestens einmal im Monat ein Treffen in St. Josef, Alsenborn statt.