Ein Hauch von Weltkirche

.     Bernhard Christian Erfort

Bei der „Nacht der Kirchen“ stehen Beten und Singen, Gespräch und Schweigen, Musik und Tanz im Mittelpunkt von Joachim Schwitalla (in DIE RHEINPFALZ, Nr. 113, vom 17. Mai 2016, Seite 42)

Pfingsten, der Geburtstag der Kirche, wurde in Kaiserslautern mit der „Nacht der Kirchen“ bis in die frühe Morgenstunde des Pfingstmontags gefeiert. Zum fünften Mal öffneten christliche Gemeinden nachts die Türen ihrer Kirchen und luden ein zum Beten und Singen, zu Gespräch und Schweigen, zu Musik und Tanz.

Entsprechend dem Motto „Damit aus Fremden Freunde werden“ spiegelte sich im Veranstaltungsprogramm und unter den Besuchern eine bunte Vielfalt der Kulturen wider. Ein Hauch von Weltkirche war spür- und in ausländischen Sprachen hörbar. Über allem wehte der Geist Gottes, der Menschen aus sechs christlichen Konfessionen, Juden und Muslime zusammenführte. In den Gotteshäusern nicht zu überhören war die Botschaft von Frieden und Versöhnung aus Taizé, der von Frère Roger ins Leben gerufenen ökumenischen Kommunität in Frankreich. Am Ende des Pfingstsonntags symbolisierten die Flammen des Lagerfeuers zwischen der protestantischen Friedenskirchengemeinde und der katholischen Gemeinde St. Theresia, dass das Pfingstfeuer weiter lodert. Die Feuerzungen ließen Christen, Vertreter von Juden, Muslimen und Buddhisten über Abraham, den biblischen Vater vieler Völker und Religionen, nachdenken.

Begonnen hatte die Nacht der Kirchen am frühen Abend mit der Aussendung des Pfingstfeuers in der Stiftskirche. Stefan Bergmann, Pfarrer der Citykirche, der die Nacht der Kirchen 2008 in Kaiserslautern initiierte, zeigte sich erfreut über die von Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Besucher. Das Thema „Damit aus Fremden Freunde werden“ sei bewusst gewählt worden, weil der Heilige Geist trotz der vielen Völker-Grenzen den Weg zur Einheit weise.

Pfarrer Andreas Keller von der Pfarrei Heiliger Martin erinnerte an das Pfingstereignis, was heute immer noch geschehe, wenn Menschen ihre Herzen öffnen und dem Geist Gottes vertrauen. Dekanin Dorothee Wüst sprach vom Feuer der Liebe als einem heilsamen Flächenbrand, dessen Glut zu hüten und immer neu zu entfachen sei. „Von Gott kommt das Feuer, die Liebe und das Leben. Von ihm kommt alles.“

Unter Gesängen von Taizé wie „Veni Sancte Spiritus“ und „Laudate Omnes Gentes“ zogen Vertreter von 19 Gemeinden mit den am Osterlicht entzündeten Pfingstkerzen zum Pfingstfeuer im Innenhof der Stiftskirche.

Während im Gemeindezentrum der Evangelisch-methodistischen Erlöserkirche Pastor Hartmut Handt, Köln, in seiner Eigenschaft als Kabarettist im Nachtcafé die frommen Christen unter die Lupe nahm, ihnen humorvoll Feuer unter den Hintern machte, den Job des Pfarrers kritisch hinterfragte und der Kirche bescheinigte, groß in Worten, aber klein in Taten zu sein, „umgekehrt ist ihr zu raten“, und die Bluessängerin Efe „Jesus the light of the world“ besang, fanden in der Friedenskirche im Uniwohngebiet Christen zu internationalen Tänzen zusammen. Singend und betend brachten sie das Pfingstlicht in die Nachbargemeinde St. Theresia, wo bei internationalen Speisen mit einer Steckbriefgalerie an bekannte und unbekannte Flüchtlinge erinnert wurde.

Unterdessen erklang in der Christuskirche Countrymusik. In den Gängen zwischen den Kirchenbänken gab die Gruppe „Straight on Linedancer Pfalz“ aus Ramstein eine Kostprobe ihrer Tanzkunst des „Linedance“. Applaus, Applaus ertönte es im Kircheninnern. So wie in der kleinen protestantischen Kirche in Morlautern, wo Anna Stucky mit tiefer und ausdrucksstarker Stimme und virtuosem Gitarrenspiel bekannte Songs aus Folk und Blues zum Besten gab. Bis vor der Kirche zu nächtlicher Stunde Victoria Riedl mit Dudelsackmusik Protestanten und Katholiken zum gemeinsamen Lichterweg in die katholische Kirche St. Bartholomäus einlud.

Groß war der Zuspruch am Abend bei der „Nacht der Lichter“ in der Martinskirche. Das Gebet im Stil von Taizé, bei dem der Altarraum wie in der Kirche der ökumenischen Bruderschaft im französischen Burgund im Licht von zig brennenden Kerzen leuchtete und die Kreuzikone von Taizé im Mittelpunkt der Verehrung stand.

Gertrud Schindler und Ursula Weiß beschrieben das Leben in Taizé als einen wichtigen Beitrag für Kirche und Gesellschaft, als ein Vorbild für die weltweite Einheit der Christen. Unter der Leitung von Michael Martin zeigte ein Projektensemble, wie schön die Lieder aus Taizé erklingen und in den Herzen der Menschen ihren Platz finden. Fürbitten und Gebete in mehreren Sprachen betonten die Internationalität, die von Taizé ausgeht, sowie das Anliegen für Frieden und Versöhnung.
Unter der Leitung von Michael Martin ließ in der katholischen Martinskirche ein Projektensemble die Lieder aus Taizé erklingen, während der Altarraum im Licht von zig brennenden Kerzen erstrahlte.

Stefan Bergmann, Pfarrer der Citykirche, eröffnete die „Nacht der Kirchen“ mit der Aussendung des Pfingstfeuers in der Stiftskirche. 

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